Das Zitat des mystischen Rabbiners Baal Schem Tow erinnert uns an die ständige Aufgabe, das Gedenken an die schrecklichen nationalsozialistischen Gewalttaten an Menschen jüdischen Glaubens auch in Duisburg wach zu halten. Wir laden Sie deshalb herzlich ein, an den Führungen in der Salvatorkirche und der Duisburger Synagoge teilzunehmen, bei denen aus verschiedenen Perspektiven das Verhältnis zwischen Christen und Juden thematisiert wird. Jüdischer Herkunft war auch der1988 verstorbene Lyriker, Übersetzer und Essayist Erich Fried, der als Atheist, Antizionist und Vertreter der außerparlamentarischen Opposition der1970er Jahre stets seine eigene kritische Position bewahrte. Auf Einladung des LiteraturBüro Ruhr e.V. NRW erinnert seine Witwe Catherine Fried an einen bedeutenden deutschsprachigen Lyriker, der vor allem mit seinen Liebesgedichten ein großes Publikum erreichte. Es wird sicher ein ebenso spannender wie amüsanter Abend werden! Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Dr. Susanne Sommer Museumsdirektorin
Über kurz oder lang Lesung und Gespräch in englischer und deutscher Sprache "Ich fand ihn ziemlich klein, ziemlich dick und ziemlich hässlich", schreibt Catherine Fried, britische Bildhauerin und dritte Ehefrau über ihren ersten Eindruck von Erich Fried in ihrem Buch Über kurz oder lang. Erinnerungen an Erich Fried'. Dennoch erlag sie seinem heftigen Werben, hatte sie doch erlebt, "dass auch ein ziemlich kleiner, ziemlich dicker und ziemlich hässlicher Mann attraktiv sein konnte, besonders, wenn er klug und charismatisch und noch dazu freundlich und warmherzig war." Ihre Erinnerungen zeichnen nicht das Bild des heroischen und politischen Dichters Fried und stellen auch nicht sein umfassendes Werk in den Vordergrund. Sie werfen einen Blick auf den Ehemann, Vater und Gastgeber Erich, der morgens um sechs bereits 16 Gedichte geschrieben hatte und dessen Familie völlig überfüllt war mit Kindern, Halbgeschwistern, Viertelbrüdern, ehemaligen Ehefrauen und natürlich seiner Mutter Nellie. Catherine Fried entführt die Zuhörer in ihr Alltags-Leben inmitten fremder und bekannter Genossen (wie dem als Babysitter eingespannten Rudi Dutschke), die sich einquartierten, für ein paar Tage oder ungefragt auf unbestimmte Zeit. Catherine Boswell Fried, Jahrgang 1936, arbeitet bis heute vor allem auf dem Gebiet der Bildhauerei. In London geboren, zog sie zum Studium der englischen Sprache und Literatur nach Paris, wo sie mit ihrer künstlerischen Arbeit begann. In Wien lernte sie Erich Fried kennen und heiratete ihn 1965. Maria Neumann vom Mülheimer Theater an der Ruhr ist an diesem Abend erneut Gast des PoesiePalastes und liest die deutsche Übersetzung von Catherine Frieds Erinnerungen. Der Abend wird freundlich unterstützt vom Wagenbach Verlag (Berlin). Die Duisburger Buchhandlung Scheuermann richtet einen Büchertisch ein. Donnerstag, 5. November 2009, 20.00 Uhr (!***) Eintritt/ Vvk. 5 ; Kartenreservierung empfohlen Karten-Tel. 02043 99 26 44 oder unter verena.geiger@stadt-gladbeck.de LiteraturBüro Ruhr e.V, www.literaturbuero-ruhr.de *** versehentlich wurde im gedruckten Museumsprogramm eine falsche Zeit genannt! Zum Seitenanfang Sonntag, 8. November, 15 Uhr: Besuch der Salvatorkirche Treffpunkt Museum, Pfarrer Peter Krogull Sonntag, 15. November, 15 Uhr: "Schalom!" Jüdische Themen in der Stadtgeschichte-Ausstellung, Cordula Klümper Sonntag, 22. November, 15 Uhr: Besuch der Duisburger Synagoge Treffpunkt Museum, bitte Voranmeldung im Museum: Tel 0203 283 2640
Die Salvatorkirche besitzt bedeutende Kirchenfenster. Sie ersetzten die im Krieg zerstörten Fenster und wurden durch deutsche und jüdische Künstler geschaffen, die mit ihren Arbeiten biblische Geschichten und Ereignisse illustrieren. Die 34 neuen Fenster von Claus Pohl, Berthold Janke und Naftali Bezem knüpfen dabei an die Fenster des Ostchores von Karl Hellwig (1956) an und setzen künstlerisch den Beschluss der Rheinischen Kirche um, ihr eigenes schuldhaftes Verhalten gegenüber dem jüdischen Volk während der Nazi-Zeit anzuerkennen. Sie wollen den Dialog zwischen Juden und Christen wecken und fördern. Speziell das Gedenkfenster von Naftali Bezem thematisiert den 9. November 1938, als Deutsche die Duisburger Synangoge in Brand setzten und der Rabbiner Dr. Manasse Neumark mit dem Rest der Gemeinde deportiert und im KZ Theresienstadt Opfer des Rassenwahns wurde. Bei einem Rundgang durch die Salvatorkirche erläutert Pfarrer Peter Krogull die künstlerische Konzeption der Fenstergestaltung.
Wer mehr über das jüdische Leben im alten Duisburg erfahren möchte, für den bietet Cordula Klümper eine Führung durch unsere Stadtgeschichte-Ausstellung. An zahlreichen Exponaten lässt sich die bewegte Geschichte der jüdischen Mitbürger über die Jahrhunderte in Duisburg aufzeigen. Am Sonntag darauf lädt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu einem Besuch der Duisburger Synagoge, die nach Plänen des Architekten Zvi Hecker errichtet und nach mehr als zwei Jahren Bauzeit am 21. Februar 1999 eingeweiht wurde. Für die über 2.800 Mitglieder ist sie das Zentrum der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen. |
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